Elf Fragen

 

an Theologen und praktizierende Christen

 

 

1.

 

Warum hat wohl unser Schöpfer seine Menschen von Anfang an nicht so geschaffen, wie Er es uns durch Johannes (Apk. 21/4) verspricht: "Es wird kein Leid mehr geben. Wolf und Schaf werden bei einander liegen" ... Natürlich kann man sofort denken: damit der Mensch an seiner eigenen Menschwerdung arbeitet ... Aber durch so viel Elend und Leid?

 

 

2a.

 

Gott sagt, Er habe den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen. Warum glauben wir dann, Gott sei nur Liebe?

 

Von Gotteszorn und Zerstörungskraft ist mehr als genug im alten Testament die Rede - am unfassbarsten sein Handeln an Hiob.

 

 

2b. 

 

Warum heisst es im "Vaterunser": führe uns nicht in Versuchung? Ist Gott göttlich und dämonisch wie der Mensch?

 

 

3.

 

Warum ist das Dunkle, Teuflische so leichtfüssig auszuführen, warum fasziniert das Böse die Masse mehr als das Gute? Und warum ist das Gute, das doch viel stärker sein sollte, mit grosser Anstrengung verbunden, es zu tun? Schon Paulus sagt: "Nicht, was ich tun will, tue ich, sondern das, was ich nicht tun will."

 

Ekkehart sagt: "Da ist kein Einziger, der gut ist, nur durch die Gnade Gottes kann der Mensch wahrhaft Gutes tun."

 

  

4.

 

Wie kann Gott von uns verlangen, dass wir Ihn lieben aus ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Gemüt? Nach jahrzehntelangem täglichem Leid und Schmerz ist kein Mensch dazu fähig, ohne seine Wahrhaftigkeit zu verlieren. Im besten Fall bleibt er Gott treu mit seinem unerschütterlichen Glauben.

 

Zu Ramon Llui sagt Gott: "Die Menschen lieben mich nur, wenn ich ihnen helfe und Gutes tu, aber nicht wegen meiner Allmacht."

 

Wie können wir? - Wir kennen seine Macht und Herrlichkeit nur als Vorstellung!

 

 

5.

 

Glauben auch Sie, dass die eigenen Anstrengungen und Bitten nicht helfen, unsere dunklen Seiten zu verlieren, aber da lebt einer in unserer Nähe, der aus Schamgefühl den Namen GOTT nicht über die Lippen bringt, von dem viele meinen, er sei ein schlechter Kerl ... dieser aber empfängt eines Tages die Gnade Gottes und wird von Jahr zu Jahr verwandelt. Am Ende stirbt er als Leuchtturm für andere.

 

 

6.

 

Das meistgebrauchte, zerredete und so fadenscheinig gewordene Wort unter Christen, auch in Zeitschriften und Bücher, ist das Wort LIEBE ... LIEBE ist ein Geschenk, eine Gnade, sie ist nicht machbar!!! - Ich bin jeden Abend dankbar, wenn es mir gelungen ist, niemanden, auch gedanklich nicht, zu kritisieren, wenn ich das ganz anders sein meines Nachbarn respektieren, wenn ich Machtausübungen durch Schweigen verhindern kann, wenn kein Zorn mich verleitet oder Hass... An solchen Tagen bin ich froh! Gern liesse ich mir sagen, was man unter "Liebe deinen Nächsten" versteht: Einem Hungrigen zu essen geben, einen Mantel schenken, Geld? Das ist in einer übersatten Gesellschaft nicht der Rede wert. - Eine Bekannte antwortete mir einmal auf meine Frage, warum und wofür sie lebe: "Ich lebe, um zu lieben." Was meinte sie wohl? ... Das Rote Kreuz-Fahnentuch schwingen von einem zum anderen, weil sie das so notwendige Stillesein nicht aushält?

 

 

7.

 

Sind auch Sie froh, dass Gott nicht gerecht ist? So haben nämlich etliche Schurken eine Chance, die Gnade zu bekommen und nicht die Gerechten. Die schönste Stelle im Evangelium über die Güte ist: Als einer der beiden Schächer, der mit Jesus gekreuzigt wurde, in der Todesstunde sagte: "Denk an mich, wenn du im Paradiese bist", da antwortete Jesus: "Noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein." ... Diese Antwort ist herrlicher als alle Wunder, die Jesus in seinem kurzen Erdenleben gewirkt hat.

 

 

8.

 

Wenn Sie einmal Gott von Angesicht zu Angesicht schauen und IHM eine Frage stellen dürfen: welche?

 

Romano Guardini sagte am Sterbebett zu einem Freund, er werde zuerst fragen, warum ER seine Menschenkinder so leiden lässt.

 

Das "Warum" beantworten nur wir Menschen, um diese Frage, diese Tatsache aushalten zu können.

 

 

9.

 

Warum nennen die Katholiken heute noch Christus den Schmerzensmann? Ich kenne viele Schmerzensfrauen und Männer, die über zwei Jahrzehnte hinaus Stunde um Stunde, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr auf eine unertragbare Weise leiden und Millionen von Menschen starben und sterben qualvoller, als Christus gestorben ist. Sein Tod war schrecklich, ja grausam, aber es war nicht das Unausdenkbare, in die Länge gezogene Leid Misshandelter, Gefolterter, Kranker. Holocaust ist doch ein Beispiel dafür! Oder ist auch ihr Tod ein Opfertod? HABEN SIE GOTTES HANDELN ERLITTEN WIE JESUS?

 

Wir sind immer noch Unerlöste zu Lebzeiten. Das muss wohl so sein, damit wir fragen, suchen, Gott brauchen und immer aufs Neue die Verbindung aufnehmen. Diese Abhängigkeit ist notwendig ... Wir dürfen zweifeln, verneinen, kämpfen, alles, nur keine Gleichgültigkeit!

 

So wachsen wir wie die Bäume sehr, sehr langsam, sehr still und unauffällig.

 

 

10.

 

Glauben auch Sie, trotz Fragen und Zweifel, dass am Ende unseres Lebens Gott ALLE empfängt und empfangen wird in seiner unendlichen Güte?

 

Das Höchste nämlich ist die Güte! Die Liebe kann man auf 100 Seiten beschreiben und wird ihr nicht gerecht. Die Güte kann man bewusst Leben, während die Liebe vom menschlichen Willen, in ihrer Lauterkeit, nicht gelebt werden kann: sie ist wirklich eine HIMMELSMACHT.

 

 

11.

 

In diesem Jahr der Barmherzigkeit gibt es acht Neuerscheinungen. Wenn man mit offenen Augen durch's Leben geht, kann man die Barmherzigkeit von Mensch zu Mensch erleben, oft jeden Tag, auf eindrucksvolle Weise. Aber wie sieht Gottes Barmherzigkeit in der heutigen Welt aus? Und wo war Gottes Barmherzigkeit in Auschwitz, fragte Elie Wiesel sein ganzes langes Leben lang und Abertausende von Menschen. - Wer mit Gott eine tiefe Beziehung pflegt, darf diese Frage stellen: wo, Gott, ist DEINE Barmherzigkeit in dieser Welt, in der WIR leben?